Warum wir Mysore lieben

Der Yogaunterricht im Mysore-Style findet sich seit der ersten Stunde als kennzeichnendes Element im Stundenplan der Yogawerkstatt. Dieser Unterricht ist auf die Entwicklung einer regelmäßigen Selbstpraxis ausgerichtet, weshalb es täglich die Möglichkeit dafür gibt. Da Ashtanga-Yoga belebend wirkt, hat es Sinn, es am Morgen zu üben – quasi dein körperlicher Espresso für den Tag. Morgens ist außerdem der Geist noch ruhig und noch nicht mit dem Tagesgeschäft befasst, was das Üben mental einfacher macht.

Hier erklären Kristina, Sascha und Romana, warum für sie Mysore eine der besten Arten ist, Yoga zu praktizieren.

„Ich bin 2014 in der Vorbereitung zu meiner ersten Yoga-Ausbildung in Mysore-Style-Stunden hineingerutscht und musste dafür zuerst einige innere Hemmschwellen überwinden – was ist, wenn ich nicht weiß, was ich tue? Diese Sorge hat sich als unbegründet erwiesen, denn ich war ja nicht auf sich alleine gestellt, sondern wurde von meinen Lehrer:innen auf eine ganz andere, sehr persönliche Art, begleitet.

Ich habe schnell erfahren, wie angenehm es ist, im Einklang mit meinem eigenen Atemrhythmus zu praktizieren, ohne ständig mit einem Ohr Erklärungen von LehrerInnen lauschen zu müssen, die das Tempo vorgeben. Die akustische Ruhe und die konzentrierte Atmosphäre in den Mysore-Einheiten hat in mir sehr schnell Begeisterung geweckt und es ist seither meine allerliebste Art zu praktizieren: Nicht alleine, aber ganz bei mir.

Was mir besonders gut gefällt ist, dass Mysore-Style so flexibel ist: Wenn ich einmal nur eine Stunde Zeit habe, kann ich trotzdem kommen und Teile der Serie üben, oder vielleicht auch einmal einen Schwerpunkt auf Pranayama setzen. Ich fühle mich im Raum immer willkommen, auch wenn ich nicht mit meiner vollen Kraft übe.

Als Lehrerin betrete ich den Mysore-Raum mit viel Respekt den Übenden gegenüber: Ich habe Respekt vor ihrer Praxis, ihrer Tagesverfassung und natürlich ihrem Körper. Die Übenden stehen klar im Vordergrund und ich beobachte und gebe gezielt Hilfestellungen. Das Unterrichten wird hier mehr zum (oft wortlosen) Dialog und individuellen Coaching, weg vom „Frontalunterricht“.“

— Kristina Hammer (Leiterin der Yogawerkstatt)

Kristina Hammer, Yogalehrerin
Romana lächelnd

„Seit über fünfundzwanzig Jahren begleitet mich die Mysore-Praxis auf meinem eigenen Yogaweg, und seit rund fünfzehn Jahren darf ich diese besondere Unterrichtsform weitergeben. Für mich ist sie weit mehr als eine Art Yoga zu unterrichten oder zu praktizieren: sie ist ein lebendiger Erfahrungsraum für Beziehung, Erkenntnis und innere Reifung.

Im Mysore-Stil wird jede Schülerin und jeder Schüler dort abgeholt, wo er oder sie gerade steht. Die Praxis passt sich dem Menschen an, nicht umgekehrt. Dadurch entsteht ein Unterricht, der nicht standardisiert ist, sondern persönlich, präzise und zutiefst menschlich. Gleichzeitig eröffnet diese Form des Übens einen natürlichen Zugang zu den klassischen Weisheitslehren des Yoga, vorausgesetzt, sie werden nicht nur gelehrt, sondern vom Lehrer auch verkörpert. Yoga wird hier nicht bloß erklärt, sondern erfahrbar.

Wenn LehrerIn und SchülerIn einander regelmäßig begegnen, entsteht eine stille, durchaus intensive Beziehungsarbeit. Mit der Zeit wird spürbar, was Yoga seinem Ursprung nach bedeutet: Verbindung. Zunächst die Verbindung zu uns selbst: Svādhyāya, das liebevolle Studium des eigenen Wesens. Dann die Verbindung zu allem, was wir als „das/die/der Andere“ wahrnehmen, bis diese Trennung vielleicht durchlässiger wird und wir erahnen, was die alten Bilder wie Indras Netz andeuten: dass wir niemals wirklich getrennt sind. Und schließlich die Verbindung mit etwas Größerem, das viele das Göttliche nennen.

Eine Mysore-Praxis lehrt uns vor allem, Verantwortung für den eigenen Weg zu übernehmen. Jeder Mensch kultiviert seine eigene Praxis, mal kraftvoll und dynamisch, mal still und regenerativ, mal kurz, mal ausgedehnt. Die Praxis wird zum Spiegel des Selbst und zu einem verlässlichen Anker im Alltag. Gerade in einer Zeit, die oft von Unverbindlichkeit geprägt ist, liegt darin ein besonderer Wert: zu lernen, sich selbst gegenüber eine Art Handschlagqualität zu entwickeln. Sich täglich bewusst Zeit zu schenken. Zu erscheinen. Zu bleiben.
Vielleicht ist genau das einer der größten verborgenen Schätze dieser Praxis, dass wir lernen uns selbst zu vertrauen.
— Romana Delberg (Gründerin der Yogawerkstatt)

Die Mysore-Praxis ist für mich die stimmigste und lebendigste Form zu unterrichten und selbst zu üben. Sie ermöglicht es, jede Schülerin und jeden Schüler genau dort abzuholen, wo er oder sie gerade steht – unabhängig von Erfahrung oder Können. Vieles geschieht jenseits der Worte: Der Raum ist oft von einer meditativen Stille getragen, in der Neugier, Eigenverantwortung und echtes Interesse wachsen können. Anstatt einer Stimme zu folgen, richtet sich die Aufmerksamkeit stärker auf das eigene Körpergefühl. Dadurch entsteht eine tiefere Selbstwahrnehmung, Übungen werden oft überraschend schnell erlernt, und das Selbstwertgefühl wächst aus der Erfahrung heraus, etwas aus eigener Kraft zu meistern. Gleichzeitig ist der Lehrer präsent und bietet punktgenaue, individuelle Unterstützung – eine feine Balance aus Selbstermächtigung und Begleitung

Sascha im Garten der Yogawerkstatt Wien