Ein halbes Jahr in neuen Händen – Kristina stellt sich vor


Nun leite ich die Yogawerkstatt bereits seit einem halben Jahr und habe mich eigentlich nie offiziell vorgestellt. Das hole ich hiermit nach.

Kristina Hammer, Leiterin der Yogawerkstatt Wien

Alles musste im Jänner und Februar so schnell gehen, es gab so viele Formulare auszufüllen und einzureichen, so vieles umzustellen und zu lernen – und das, in der geschäftigsten Phase des Jahres. Ich fand zu der Zeit vorrangig, dass die Yogawerkstatt möglichst reibungslos und ohne Unterbrechung weiterlaufen konnte und war bis weit in den Frühling hinein damit beschäftigt, mir alle Seiten des neuen Berufs zu erarbeiten, mein Team besser kennenzulernen, viel zu unterrichten und neue Ideen zu entwickeln.

Jetzt ist mittlerweile August und damit sind die ersten sechs Monate seit der Übernahme um. Es ist heiß in Wien und so nütze ich das Sommerloch und die Siestazeit, um durchzuatmen, zurückzublicken, und diesen Text zu schreiben.

Wer bin ich eigentlich und was will ich sein?

Das sind Fragen, die ich mir im Leben immer wieder gestellt habe, insbesondere dann, wenn eine Veränderung nötig oder gerade passiert war. Einen Hang zur Philosophie hatte ich immer schon und auch zum Spirituellen. Ohne hier zu sehr ins Detail gehen zu wollen, hat mich sehr lange beschäftigt, was ich “eigentlich” mit meinem Leben machen möchte. Ich konne mich stets für viele verschiedene Dinge begeistern und so war ich beruflich und hobbymäßig in vielen Bereichen aktiv: als Sprachlehrerin, Arztassistentin, Nachhilfelehrerin, Kulturvermittlerin, Kellnerin, Übersetzerin, Erntehelferin, Bodensondierhelferin, Reiseorganisatorin, Musikerin, Tänzerin. All diese Dinge habe ich gerne gemacht und dabei war mir stets wichtig, sie authentisch und mit der richtigen Herangehensweise zu tun. Stets mit Herz und Respekt, niemals aus purem Pflichtbewusstsein. So werden Tätigkeiten sinnvoll und eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben stand für mich immer ganz oben. 

Wie ich zum Yoga kam?

Mich hat eine Freundin mitgenommen und ich merkte, dass ich mich nach dem Yoga besser fühlte: körperlich und auch mental. Ich konnte mich besser konzentrieren und entwickelte erstmals eine gute Beziehung zu meinem eigenen Körper. 
Als ich als Lehrerin dauerhaft unter starken Nacken- und Schulterschmerzen litt begann meine erste Übungsdisziplin: Um den Schmerz erträglicher zu machen, musste mich jeden Morgen ein wenig bewegen und bald war ich es leid, nur so halb zu wissen, was ich tat: Ich wollte wissen, wie ich selbstständig üben konnte und worauf es dabei ankam. 
Ich absolvierte bei Pureyoga in Wien eine intensive, sich über zwei Jahre erstreckende Ausbildung. Erst im Vorfeld dazu lernte ich Ashtangayoga und auch sehr bald den Unterricht im Mysore-Stil kennen und lieben. In der Ausbildung hörte ich vieles zum allerersten Mal und verstand manches erst ein paar Jahre später. Ich lernte neben den Asanas auch Pranayama, Kriyas, Yogatexte und Mantrasingen kennen und übte das meiste davon auch gleich selbstständig weiter. Ich war begeistert und wollte Yoga nicht mehr missen.


(Wie so viele hatte ich übrigens ursprünglich nicht das Ziel, selbst zu unterrichten, sondern wollte mir meine eigene Praxis sorgfältig aufbauen. Ich hatte allerdings eine sehr motivierte und beharrliche Gruppe an Freund:innen und Bekannten, die darauf drängten, dass ich etwas organisierte. So begann ich schon während der Ausbildung mein Grüppchen zu unterrichten und einige von ihnen sollten mir jahrelang treu bleiben.)

…und die Yogawerkstatt?

Dorthin nahm mich eine Kollegin aus meiner Ausbildung mit und ich erinnere mich gut an diesen ersten Besuch: Es war eine knallvolle Mysorestunde und wir mussten unsere Matten im Vorraum ausrollen, bis nach ein paar Sonnengrüßen im großen Raum ein Plätzchen frei wurde. Ich meine mich zu erinnern, dass Romana und Sascha gemeinsam unterrichteten. Ich war fasziniert von diesem vollen Raum, von der Art, wie Sascha und Romana assistierten und der Ruhe, die sie ausstrahlten. Kurz darauf hatte ich einen 20er-Block. Meine Beziehung zur Yogawerkstatt hatte begonnen und ich besuchte dort die Mysorestunden und zum Ausgleich Yin Yoga – mal regelmäßiger, mal weniger regelmäßig. Nach meinem ersten Silvesterretreat mit Sascha und Romana fühlte ich mich auch auf der zwischenmenschlichen Ebene deutlich in der Yogawerkstatt angekommen.

Zäsur und Herausforderungen

Dann kam Covid und die Gewohnheiten von uns allen änderten sich. Meine eigene Praxis entfernte sich durch die Onlineformate etwas vom Ashtanga Vinyasa Yoga.

Als alles wieder begann lockerer zu werden, hatte ich das Gefühl festzustecken. Dem Yoga blieb ich treu, aber meine Praxis änderte sich: ein bisschen Ashtanga, ein bisschen irgendetwas anderes, immer wieder Meditation und Pranayama. Ich hatte andauernd ein schlechtes Gewissen, weil ich meine eigene Disziplin nicht mehr fand. Meine Kurse bröckelten online und offline und ich war unsicher, ob ich überhaupt noch Yoga unterrichten wollte und setzte eine Pause.

Irgendwann zeigte ich einem lieben Freund (etwas widerwillig) ein paar Übungen zum Mobilisieren und Runterkommen. Seine Reaktion darauf war: “Du musst Yoga unterrichten. Du hast eine Gabe.” So sehr ich das in dem Moment belächelte, so sehr motivierte es mich auch.
Es folgten zwei Jahre der intensiven Weiterbildung und diverser stolpernder Versuche, meinen Unterricht wieder zu beleben oder erstmals bei Studios anzudocken. Ich war sehr frustriert, meine Motivation nicht sofort leben zu können: Ich wollte doch so viel weitergeben. 

Jetzt im Nachhinein kann ich sagen, dass diese zwei Jahre des Strebens und Lernens, die ich so sehr als Stagnation wahrgenommen hatte, immens wertvoll für meine persönliche Entwicklung und mein Verhältnis zum Yoga waren. Ich lernte, dass es in Ordnung ist, nicht immer ganz streng Ashtangayoga zu üben, und dass es sich wunderbar mit sanfteren Formen ergänzen lässt. Ich legte meine Verbissenheit und meinen Frust über meine (so glaubte ich) mangelnde Disziplin ab und wurde weicher. Ich erlaubte meinem Körper (und meinem Geist) durch eine bewusst sanftere Praxis wieder zu neuen Kräften zu kommen.

Zurück zur Yogawerkstatt

Als Romana mich 2024 auf einem Retreat am Weltenhof fragte, ob ich gerne in der Yogawerkstatt unterrichten wollte, freute ich mich immens, denn das war für mich ein lange gehegter Wunsch. Ich schlug schließlich Yin Yoga vor und innerhalb von zwei Wochen nahmen wir die sonntägliche Stunde wieder ins Programm. Romana ermutigte mich, Dinge, die ich tun wollte, einfach zu tun und drückte mir einen Zettel mit der Aufschrift “Selbstermächtigung” in die Hand. Der hängt seither an meinem Pinboard. “Man muss sich immer den Schuh anziehen, der eine Nummer zu groß ist”, fügte sie hinzu.

Meine erste Stunde in der Yogawerkstatt fühlte sich an wie ein Ankommen, ein Heimkommen. Ich dachte “Jetzt bin ich endlich da, wo ich sein will”. 

Und dann ging es so richtig los: Es ergaben sich sehr schnell viele Vertretungsstunden, ich rutschte in den Mysore-Unterricht hinein und bekam ein paar Monate später eine zweite Fixstunde, gemeinsam mit ganz vielen Sommervertretungen. Da war ich also erst ein gutes halbes Jahr als Lehrerin in der Yogawerkstatt tätig und kam Anfang September tiefenentspannt von meiner Yoga-Nidra-Ausbildung retour, als Romana mich um ein Telefongespräch bat, denn sie wollte mir etwas anbieten. Ich freute mich, denn ich rechnete mit einer zusätzlichen Stunde. Als sie mir beim Telefongespräch stattdessen offenbarte, dass sie und Sascha sich aus der Yogawerkstatt zurückziehen wollten und mir das Studio anbieten wollten, muss ich sehr dumm dreingeschaut haben. Das hatte ich nicht kommen sehen. 
Wann das denn sein sollte? Na in einem halben Jahr, spätestens. 
Ok. 
Ich erbat mir Bedenkzeit, denn diese Entscheidung würde für mich alles umdrehen. 
Es kam eine kurze und schnell gelebte Zeit der vielen Gespräche, der vielen Fragen, Zweifel, Aufgeregtheit. Wie würde das Team das finden? Wie würden die Leute, die üben kommen, das finden? Wären die weiterhin dabei? Bin ich dem überhaupt gewachsen? (“Du musst dir immer den Schuh anziehen, der eine Nummer zu groß ist.” kam mir in den Sinn, als ich den Zettel mit “Selbstermächtigung” auf meinem Küchenpinboard ansah.) Das Team machte mir im Vorfeld klar, dass ich nicht alleine war und sie mich unterstützen würden. Das war für mich der wichtigste Faktor.

Den Ausgang kennt ihr: Ich wollte mir Wien ohne die Yogawerkstatt nicht vorstellen. Ich wollte mir keine neue Yogaheimat suchen. Ich wollte, dass die Yogawerkstatt weiterhin für mich und alle Menschen, die sie als Yogazuhause begriffen, da wäre. Ich wollte weiter unterrichten und ich wollte es dort tun und in keinem anderen Studio. 
Die Atmosphäre in der Yogawerkstatt ist für mich einzigartig. Ich habe nirgends sonst ein Studio erlebt, in dem ich mich wirklich ausnahmslos immer wohlgefühlt habe, egal, wer die Stunde hielt. Ich wollte das, was Sascha und Romana mit ihrem Team so liebevoll über fast zwanzig Jahre aufgebaut haben, bewahren und weitertragen.

Jetzt ist also das erste halbe Jahr vergangen und oft werde ich gefragt, wie es mir geht, ob ich mich schon in die neue Rolle eingelebt habe, ob ich immer noch froh bin, diese Entscheidung getroffen zu haben. Die Antwort ist ganz klar “ja”. 

Ich hatte lange den romantischen Wunschtraum, ein Cafè zu betreiben, in das Leute kommen könnten und wo sie sich einfach wohlfühlen würden. Mit Büchern und gemütlichen Nischen. Mit spannenden Abendprogrammen. 
Die Yogawerkstatt ist zwar kein Cafè, aber dennoch ein Ort, an dem Menschen willkommen sind und wieder auftanken können. Wir haben keine Stammtische, aber manche haben fixe Lieblingsmattenplätze. Ich serviere zwar keinen Kaffee, sondern bringe Menschen hin und wieder Blöcke, Decken oder Bolster. Ich stehe zwar nicht hinter der Schank, aber oft hinter der Theke und führe vor oder nach einer Yogaeinheit interessante Gespräche mit den Menschen, die üben kommen. Ich freue mich, wenn unterschiedliche Menschen einander im Vorraum kennenlernen und Gemeinsamkeiten entdecken. Und Tee gibt es auch.


Ich kann also sagen: Ich bin sehr glücklich, wo ich bin. Ich bin Sascha und Romana dankbar für das Vertrauen, das sie in mich gelegt haben, als sie mir ihr “Baby” angeboten haben. Ich bin glücklich, von so einem tollen Team unterstützt zu werden, dem die Yogawerkstatt genausosehr am Herzen liegt wie mir. Ich bin stolz darauf, diesen Raum für euch hüten und halten zu können, und bin froh, dass ihr Teil davon seid.